Kritik

Zur Übersicht Anne Scheller & Clemens Muth | 11. Mai 2019

Kritisieren, also das Beurteilen oder Infragestellen eines Verhaltens oder einer Leistung, gehört zum Alltag der Lehrer. Vergessene Hausaufgaben, mangelnde Aufmerksamkeit, respektloses Verhalten und vieles mehr geben dem Lehrer – scheinbar gezwungenermaßen – Anlass zu Kritik.

Sie kann hilfreich und sinnvoll sein, etwa um einen Schüler dazu zu bewegen, das eigene Verhalten zu überdenken und zu ändern. Das kann zur Verbesserung der Leistungen führen, was sich langfristig auf die Zukunft des Schülers auswirken kann.

Kritik kann aber auch zerstörerisch und kontraproduktiv sein: Sie verletzt das Selbstwertgefühl, da der Kritisierte sie so interpretiert, als sei er ein schlechter Mensch. Wird öffentlich im Unterricht kritisiert, verliert der Kritisierte möglicherweise im Ansehen der Mitschüler. Ist die Kritik vom Lehrer lange aufgestaut worden und macht sich dann in einem Anfall von Ärger Luft, kommt sie besonders verletzend und ungerechtfertigt herüber. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass der Schüler sie dann von vornherein ablehnt. Konstruktive Kritik sollte einigen Grundsätzen folgen. Bekannt ist das sogenannte Sandwichprinzip: Kritik soll immer in zwei positive Äußerungen verpackt werden wie der Belag zwischen zwei Scheiben Brot (Lob und Belohnung). Ein Lehrer kann eine kritische Äußerung über nicht gemachte Hausaufgaben also beginnen mit: „Ich weiß, dass du deine Hausaufgaben sonst gut erledigst, aber heute …“

Eine persönliche Ansprache ist ebenfalls wichtig. Dazu gehört es, den Schüler allein, nicht vor der Klasse, anzusprechen, seinen Namen zu nennen und respektvoll zu sein. Eine Ansprache auf Augenhöhe – also ganz wörtlich auf gleicher Höhe im Sitzen oder Stehen – führt dazu, dass der Schüler sich nicht bedroht fühlt und für die Aufnahme der Kritik bereit ist.

Die eigentliche Kritik sollte deutlich und klar formuliert werden. Schuldzuweisungen oder die Andeutung, Fehlverhalten persönlich zu nehmen, sind fehl am Platze. Ein Lehrer sollte immer Wohlwollen signalisieren und Hilfe zur Änderung des Verhaltens anbieten. Am Ende sollte er die zweite Scheibe Brot, also eine positive Aussage oder ein Lob, nicht vergessen.