Vorwort
Als ich geboren wurde, war mein Opa bereits verstorben, mit 60 Jahren. Inzwischen werden Opas (und Omas) wesentlich älter und sogar Uropas (Uromas) – und damit ändern sich auch die Beziehungen zu ihren Enkelkindern: von zeitweiser Überforderung oder akzeptierter Belastung über erwünschte Kontakte bis zu freundschaftlichem Zusammensein.
In diesem Buch wird eine besondere Konstellation beschrieben und dabei auf einen Zeitraum von acht Jahren geblickt: 56 Jahre Altersunterschied, nicht verwandt, ein Nenn-Opa und sein „Enkel“.
Ich, der Alte, war zu Beginn 72, und möchte mich als Schulexperten bezeichnen. Studiert habe ich Philosophie, Theologie, Pädagogik und Psychologie. Ich war Lehrer in einer Grund- und Hauptschule, lange Jahre als Referent für Schulentwicklung in vielen Schulen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz zu Gast und habe zahlreiche Fachbücher verfasst.
Den Jungen, Sven, zu Beginn unserer Bekanntschaft 16 Jahre alt, würden viele vermutlich als schwierigen Teenager beschreiben. Von außen betrachtet mit deutlich sichtbarer Null-Bock-Grundeinstellung, extremen Problemen in der Schule und wenig Aussichten auf einen positiven Start ins spätere Berufsleben. Geprägt wurde Sven vor allem auch durch seine Familienkonstellation: Seine Mutter hatte sich bereits kurz nach seiner Geburt von seinem Vater getrennt. So lebte er mit zwei Frauen zusammen: mit seiner Mutter und seiner Tante. Der (leibliche) Großvater war anfangs männliche Bezugsperson, erlitt aber später einen Schlaganfall und starb schließlich, als Sven 18 Jahre alt war.
Wie haben diese unterschiedlichen Menschen zusammengefunden? Was ist in den acht Jahren geschehen, die sie sich kennen? Wie haben beide diese Zeit der wachsenden und sich festigenden Freundschaft erlebt?
In 20 kurzen Kapiteln erzählen sie – im fortlaufenden Wechsel (der Enkel in kursiver Schrift) – von wesentlichen Phasen wie zum Beispiel vom Leben als Schüler bzw. Schulexperte mit Versagensängsten bzw. Hilfsangeboten, von der Liebe zum Auto und vom Trösten bei Pannen oder von der Herausforderung, einen Ausbildungsplatz zu finden und die Lehre durchzustehen bis hin zum Weitergehen und Abschied nehmen und dabei auch in Beziehung bleiben.
Die Freundschaft hat sich entwickelt und ist erhalten geblieben, weil Opa und Enkel partnerschaftlich miteinander umgegangen sind: wertschätzend, respektvoll, offen, einfühlsam und authentisch. Deshalb spielten der Altersunterschied und die Lebenserfahrungen keine Rolle, waren aber für beide eminente Bereicherungen.